D-Day 2014 – Schauspiel am „Obama“-Beach

D-Day 2014

Die Feiern zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie zeigen, wie sehr wir in alte Denkmuster zurückfallen. Krieg ist wieder legitim. Das Bündnis steht erhaben gegen den Feind. Das ist die PR-Botschaft der kommenden Stunden und Nachrichtenminuten. Es sind Sandkastenspiele der Macht, die wir gerade erleben. Es geht nur darum zu zeigen, wer der Stärkere ist. Vernunft, Einsicht und die Bereitschaft zur Konfliktlösung kommen darin nicht vor.

Schauspiel am „Obama“ Beach

D-Day 2014
Wie das Wetter auch wird. Dunkle Wolken hängen damals wie heute über der Normandie.

Omaha Beach – der Strandabschnitt an der französischen Atlantikküste – wird zu „Obama“-Beach. Die Inszenierung ist vorhersehbar, einschließlich der Gastrollen. Die Einladung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ist nicht nur historisch falsch (die Ukraine bestand in dieser Form während des II. Weltkrieges nicht). Ginge es Obama, Merkel & Co um eine Verständigung mit Putin, hätten sie sich längst an weniger emotional aufgeladenem Ort und bei medial unverfänglicher Gelegenheit treffen können. Zu einem G8-Gipfel zum Beispiel – warum denn eigentlich nicht!? Es ist jedenfalls eine reichlich bescheuerte Geste, den Präsidenten der Ukraine zur Projektionsfläche eines solchen Ereignisses zu machen. Schon wird in den Medien von Verbündeten gesprochen, wenn USA, NATO und die Ukraine gemeint sind. Das alte Feindbild steht wieder. Amerika wird es sich nicht nehmen lassen, die Schlacht so zu inszenieren, dass dabei auch seine gegenwärtige militärische Macht zur Geltung kommt. Obama wird viel von Verbündeten und freien Nationen faseln. Das tut er in gleichem Wortlaut immer, wenn er Regierungen meint, die nach Amerikas Pfeife tanzen. Freie Nationen sind schon deshalb Unfug, weil nicht Länder sondern nur Menschen frei sein können. Aber wozu jedes Wort der Propaganda auf die Goldwaage legen?

Kalkulierte Demütigung für die Russen

Dieser 70. Jahrestag des D-Day wird eine Demütigung für die Russen sein. So ist er inszeniert. Nur so passt der Tag ins Bild. Putin wird als Zaungast in Szene gesetzt werden, als aussätzig und protokollarisch weitgehend außen vor.  Es ist sowieso ein schwieriger Tag für Russen. Die Darstellung des D-Days als entscheidende Wende im Zweiten Weltkrieg setzt den Kampf der Roten Armee herab, die sich zu diesem Zeitpunkt zu Fuß von Stalingrad bis tief ins Deutsche Reich vorgekämpft hatte. Im Kontext der aktuellen Spannungen zwischen NATO-Staaten und der Ukrainie auf der einen und Russland auf der anderen Seite bekommt das archaische Motiv einer heroischen und opferbereiten westlichen Allianz einen gefährlichen Dreh. Die Kameras werden jede Mimik Putins beobachten und das kleinste Zucken hinter der Sonnenbrille wird zitiert und kommentiert werden. Es ist sehr bemerkenswert, dass der russische Präsident überhaupt hinfährt. Er hätte auch dankend ablehnen können. Ich bin gespannt auf die Bilder aus der Normandie. Zurückhaltung gegenüber Moskau wird es nicht geben. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang an die Eröffnungsfeier bei den olympischen Spielen in Sotschi – Putins Spielen, wie sie hierzulande bezeichnet wurden. Der Gastgeber hatte damals seine Geschichte in Bildern gezeigt. Nach meinem Dafürhalten verzichteten die Russen aus Rücksicht vor den deutschen Gästen auf jede Darstellung des Großen Vaterländischen Krieges, wie sie den II. Weltkrieg dort immer noch nennen. Diese kleine, für die Berichterstattung offenbar unbedeutende Geste hat mich sehr beeindruckt.

Merkels Politik ist grob fahrlässige Kriegstreiberei

Seit Wochen erteilt der Westen dem frisch restaurierten Feind in Moskau unerfüllbare Auflagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel treibt den russischen Präsidenten Wladimir Putin in ein Dilemma nach dem anderen. Erklär mir einer, welchen Ausweg die russische Regierung bei solchen Forderungen hat: Einerseits möge sich Russland vollständig aus der Ukraine heraushalten. Andererseits sollte Putin einen fairen Verlauf der Wahlen in der Ostukraine garantieren. Einerseits wird Moskau zum Abzug seiner Truppen aus dem tausend Kilometer langen Grenzgebiet aufgefordert. Andererseits soll es seine Grenze so sichern, dass keine Waffen und Söldner mehr in die Ukraine kommen. Merkel forderte sogar, Putin solle den neuen ukrainischen Präsidenten anerkennen. Wann hat Moskau ihn eigentlich nicht anerkannt? Wieso sollte überhaupt ein fremdes Land den gewählten Repräsentanten eines Staates „anerkennen“? Das ist im oft zitierten Völkerrecht nicht vorgesehen. Die Merkel hat doch auch nicht auf Obamas Anerkennung gewartet. Hoffentlich jedenfalls! Wer mit unerfüllbaren Forderungen Politik macht, baut verhängnisvolle Fallen. Doppelbindungen heißen diese Situationen in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wer sie bewusst als Machtinstrument einsetzt, handelt grob fahrlässig. Solche Situationen sind der Treibsatz für kriegerische Konflikte, die Lunte am Pulverfass. Was mir in den Reden Obamas und Merkels fehlt und was auch ein D-Day nicht erwarten lässt, sind Demut, Selbstreflexion und die Bereitschaft zur Kritik am eigenen Handeln. Man kann die Landung in der Normandie als den Sieg des Guten über das Böse inszenieren. Man kann an diesem Ort aber auch erfahren, dass die Scheiße, die den Soldaten in der Hose steht, auf allen Seiten gleichermaßen stinkt. Muss das so drastisch sein? Ja, denn der D-Day war keine Schlacht sondern ein übles Schlachten auf beiden Seiten. Er sollte Mahnung sein, dass es Mittel und Wege geben muss, eine Neuauflage zu verhindern.

5 Kommentare auf “D-Day 2014 – Schauspiel am „Obama“-Beach

  1. Irgendwie komm ich mir manchmal total veralbert vor. Ich erinnere mich an meine herumpubertierenden Zeiten in denen ich und meine Freunde mit manchen manchmal Zeit verbringen wollte und manchmal eben nicht. Einfach weil wir jemanden doof fanden oder eben auch mal nicht. Doch ich habe es geschafft mich meines Geistes zu bedienen und bin immer entsetzt, dass führende Politiker diesen Prozess nicht hinter sich gelassen haben.

    Ich hab Angst, welche Folgen deren Dummheit mit sich bringen werden.
    Ich habe Angst dass deren Spielzeug und Spielzüge noch mehr reale Menschenleben kosten.
    Ich habe Angst vor diesen dummen Weltpoltikern.

  2. Danke, eine sehr sachliche und historisch fundierte Darlegung der Situation um den D-Day.
    Dazu ein Zitat:
    „Wenn die Oberen vom Frieden reden, weiss das gemeine Volk, dass es Krieg gibt. Wenn die Oberen den Krieg verfluchen, sind die Gestellungsbefehle schon geschrieben“ (Bertolt Brecht).
    Mein Gedanke zu den Szenarien, die rund um den D-Day die Oberen wieder grob bewusst/fahrlässig, und kriegstreiberisch vom Stapel lassen:
    „TÄUSCHUNG
    Was für ein verheddertes Netz, das sie weben – wenn sie zuerst versuchen zu täuschen, um ihr Handeln dann zu rechtfertigen.
    Warum werden Massen so belogen?
    Warum dürfen Menschen ungestraft so lügen?
    Warum lassen wir uns so belügen?
    Es gibt Hoffnung, dass ihre Uhr bald abläuft!
    Desto größer ist die Gefahr, die von ihnen ausgeht!
    Nur, wer entscheidet über die Zukunft – das Schicksal?

  3. Verschwörungen gibt es Doch!
    Gut, das mit dem Zeitstempel von youtube mag interessant sein, ich kenne es das nicht mit den Absturzbildern sondern dass UA-Gegeimdienst der die „Seperatisten“ angeblich abgehört hätte wie Sie MH 17 abgeschossen hätten. Dessen Zeitstempel war am 16. und deshalb haben „Verschwörungstheoritiker“ das „widerlegt“ was sich jetzt als falsch heraus gestellt hat. Aber: Es gib keinen Beweis, dass es die „Seperatisten“ waren. Trotzdem hetzten allen grosen Zeitungen von der TAZ bis zur FAZ zum Krieg , wie auch die Fernsehanstalten. Es sind so viele Lügen und Unterschlagungen in der Berichterstattung in der UA passiert ( das Gewerkschaftshaus in Odessa geriert demnach zufällig in Brand ), die ganze Fascho-Hinterrund vieler in der Regierung wurde unterschlagen, trotz Massenprosteste von Lesern hat sich nichts geändert wie gleichgeschaltet. Ich sage nur wer hier keine Verschwörung sieht hat Sie nicht mehr alle. „Die Anstalt“ hat diese Verschwörung wo fast alle Chefredakeute in transatischen und militärische Elitenkreisen drien sind aufgedeckt. Auch wenn „Verschwörungsteoritiker“ oft falsche Schlussfolregungen ziehen: Hier sehe ich eine echte Verschwörung gegen den Frieden.
    Das extreme Ausmass der NSA-Spionage war vor den Snowden-Enthüllungen übrigens auch eine „Verschwörungstheorie“.

    • Danke für den Kommentar und den Hinweis auf die einseitige Berichterstattung über den Ukrainekonflikt und die, wie ich auch finde, Verdrehung von Tatsachen. Die inzwischen reflexhafte Schuldzuweisung an Moskau und Putin wird der Sache nicht gerecht. Wie ich gesagt habe: Wir widmen uns zu wenig den Hintergründen und Ursachen des Konfliktes.

      • Also ich habe es schon getan. Der grosse Hass wurde wohl im 2. Weltkrieg gelegt, wo sowohl von den Nazis als auch von Stalin heftige Verbrechen (Völkermord) begangen wurde.
        Aber es waren die USA die 5-Milliarden in die Umstürze in der UA gesteckt haben. Die Angloameriker mögen es laut Willy Wimmer nicht wenn die Europäer auf dem Kontinent gut zusammen arbeiten weil das ihre eig. wirtsch. Situation schwächt. Es geht hier auch um Energie (Gas) was beim Krieg gegen Afganhistan auch der Fall war ( es gibt bis heute keinen nicht gefälschten Beweis, dass OBL in 9/11 involviert war ( ja man bezeichnet mich auch als bösen spinnerten „Verschwöungstheoretiker“ da ich ganz andere Hintergründe recherchiert habe als der Mainstream es erzählt ) und ich denke, dass die Finanzkrise des „Petrodollars“ hier auch eine grosse Rolle spielt. Im Krieg kann man leicht einen Schuldigen ausmachen und Notstandsgesetze einführen die eine Währungsreform erleichtern ( ich weiss es ist VT und ich kanns nicht beweisen, aber darüber nachdenken sollte man schon mal ).

        Sehr hörenswert sind die beiden Interview von Ken Jebsen mit Willy Wimmer ( CDU, Staatsekretär für Verteidigung in Kohl-Regierung) :

        https://www.youtube.com/watch?v=faL4zRUdQTA

        https://www.youtube.com/watch?v=8B1sctKCvxI

        Ich weiss Sie sind sehr lang, aber es lohnt sich, das sind absolute Hämmer. Hier kann man nicht sagen linker oder rechter (VT)Spinner, dieser Mann ist sehr glaubhaft. Kann man jeden CDU-Anhänger empfehlen der total hinter den USA stehen. Auf Telepolis schrieb er erst vor kurzem einen Gastkommentar dazu :

        http://www.heise.de/tp/artikel/42/42364/1.html

1 Pings/Trackbacks für "D-Day 2014 – Schauspiel am „Obama“-Beach"

  1. […] kürzlich war Deutschlands Kanzlerin Gast zu einem demagogisch zelebrierten → D-Day 2014 – Schauspiel am “Obama”-Beach. Auch ein mediales Ereignis u. a. mit kalkuliertem Weglassen historischer Fakten und wiederum […]

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