Mach’s gut, Arschkrampe!

Rainer Tautenhahn

Am Mittwoch erreichte mich die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen. Rainer Tautenhahn ist plötzlich und viel zu früh verstorben.

Rainer Tautenhahn
Rainer Tautenhahn 1998 im Studio Cottbus von Antenne Brandenburg

„Der Erfinder des Sportwagens Ferry Porsche ist tot. Morgen wird er zwei Meter tiefer gelegt.“ Solche Gags hat er sich ausgedacht und ich habe sie gern vorgelesen. Rainer war Autor für die „Rauschende Priebshow“, eine wöchentliche Satire- und Comedyshow bei Antenne Brandenburg (1997-2000). Als Moderatoren hatten Andreas Rausch und ich ein einfaches Konzept: Die Hörer müssen Samstag Vormittag mindestens einmal ihren Kaffee ausspucken. Ob vor Entsetzen oder vor Lachen, das ist egal. „Porsche tot – tiefer gelegt“ Ich muss heute noch lachen, obwohl ich weiß, dass die das nun mit Dir machen werden, lieber Rainer. Du warst noch nicht dran!

Eine Zeit lang mussten wir unsere Gags den Justiziaren des ORB vorlegen. Die Hörfunkdirektorin wollte das so und Dich trifft Mitschuld. Ich zähle das zu meinen Erfolgen beim Radio. Ich könnte den Gag an deinem Grab zitieren und Du würdest noch einmal herzlich aus der Kiste lachen. Da bin ich mir sicher.

Der Himmel und die NSA wissen, wie wir uns am Telefon begrüßt haben. Rainer ruft an. „Was willst du schon wieder, Arschkrampe?“ – „Du sollst arbeiten, Kackbratze!“ Ich kann nur jedem raten, der einen guten Freund braucht: Beleidigt euch gleich zur Begrüßung! Das verhindert jede spätere Entgleisung, selbst wenn man sich bittere Wahrheiten an den Kopf zu werfen hat. Auch das haben wir getan.

Danke Rainer! Danke, für eine außergewöhnliche Freundschaft. Die bislang einzige, die alles überstanden hat.

Ich möchte verhindern, dass das ein Nachruf wird. Meine Gedanken sind noch unsortiert wie unsere Gespräche. Du wirst Leichtigkeit und Ruhe gefunden haben in diesem einen unendlichen Moment. Für einen rastlosen, kreativen Menschen ist der Tod ein Geschenk. Das weiß ich. Und trotzdem hättest Du Bescheid sagen können, Du Heini!

 

Lieber Leser: Ich werde mein Privatarchiv plündern und alte Folgen von „Strandarzt“, „Tatörtchen – der Krimi für Zwischendurch“ und andere Produktionen hier zur Wiederholung bringen. Auf die Justiziare des RBB (Verwalter des ORB Programmvermögens) kommt Arbeit zu. 

 

10 Kommentare auf “Mach’s gut, Arschkrampe!

  1. Treffender, berührender und besser hätte man es nicht schreiben können. Sehr, sehr emotional! Danke Mathias, Rainer wäre soooooo stolz auf dich. Wir werden ihn nicht vergessen, die Arschkrampe!

  2. Nachtrag. Am Donnerstag, 1. August 2013 war die Beisetzung in der Nähe von Rainers Wohnort. Es waren Freunde aus Hamburg, Baden-Baden, München… angereist. Es war ein stiller und würdiger Abschied.

  3. Ich komme aus Garching und war bei seiner Beisetzung und es hat mich gefreut, daß doch viele Freunde und Kollegen aus seinem früheren Leben, welches ich nur aus seinen Erzählungen kannte, ihn nicht vergessen haben.
    Ich kannte Rainer seit 2 Jahren und habe seinen künstlerischen Weg mit Sonicpicture gefördert und begleitet. 2 Wochen vor einem Tod versprach er mir eine Kiste südafrik. Wein – habe ein Glas auf sein Wohl – wo immer er nun ist – getrunken.
    Was wird aus SonicPicture ? Er hat mir vor 2 Jahren einen der ersten „Ratzefummel“ geschenkt – werde ihn aufbewahren.
    Bedauerlich, daß niemand von uns hier seine Traurigkeit wahrgenommen hat.

  4. Dachte immer, die Zeit heilt.
    Ist nicht der Fall.

    Vermisse nach wie vor die täglichen Gespräche.
    Manchmal Blödelei, oft aber mit Tiefgang.
    Über viele Stunden.

    Das Ende habe ich verpasst, das macht mich unendlich traurig. Warum hat er da nicht angerufen??????? Geholfen hätte ich, wusste er aber….
    Warum?????

  5. Bin erst heute per Zufall über Ralfs Facebook-Seite auf Deine Worte gestossen. 1.000 Dank dafür. Leider sehe ich Rainers Facebook-Seite nicht mehr, seltsamerweise erschien sie bei mir auch zu seinem Tod nicht mehr. Es würde mich aber sehr freuen, wenn Du mich wissen lässt falls Du etwas von ihm auskramst und publizierst?
    Zu seiner Beisetzung hatten ich und mein Mann irgendwie mit mehr Menschen gerechnet, da Raini so wahnsinnig viele Leute kannte. Mir war es sehr wichtig ihm die letzte Ehre zu erweisen, auch obwohl ich kurz vorher operiert worden bin. Und das anschließende Beisammensitzen im Wirtssepperl fand ich sehr schön, da so viele ihre Geschichten mit ihm erzählten. Rainer nannte ich meist „Socke“ worauf er immer mit „Feinstrumpf“ entgegnete. Meine Gefühle sind noch immer sehr gemischt darüber das er so früh von uns gehen wollte…

    • Danke Georgia! Ich hatte 2014 keine Gelegenheit, erneut nach Altötting zu fahren und habe mich dabei ertappt, dass ich deswegen ein schlechtes Gewissen hatte. Warum eigentlich? Ich hoffe, ihm geht’s genau so und er weiß, dass es ein Fehler war…

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