Wörtererörterbuch "Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda"

Verleger gesucht! Wer hat den Mut, dieses Buch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Um es mit dem Propaganda-Begriff, bzw. Unwort des Jahres 2010 zu sagen: Diese Arbeit war „alternativlos“! Ich schreibe ein Buch. Schon lange reizt und beschäftigt mich das Thema „Propaganda“. Ergebnisse meiner Studie zur NATO-Kommunikation im Kosovo-Krieg waren bereits viel beachtet worden. Dazu gehörten Veröffentlichungen beim Deutschlandfunk, in journalist und PR-Report sowie in einem Schulbuch zur Mediendemokratie. Nun schreibe ich also an einem Wörtererörterbuch zur Propaganda. Und du kannst mir helfen, das Werk zu vollenden!

Entwurf und Arbeitstitel für das Wörtererörterbuch „Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda“

Es gibt in Deutschland nur sehr wenige, ausschließlich wissenschaftliche Bücher, die sich des Themas annehmen. Ein Sachbuch, das auch Menschen verstehen, die nicht Publizistik studiert haben, kenne ich nicht. Das beste Lesebuch zur Propaganda, Phillip Knightley: „The First Casualty“ ist niemals ins Deutsche übersetzt worden, obwohl der Autor es zwischen 1975 und 2004 immer wieder um die jeweils letzte Propagandaschlacht aktualisiert hat. Warum eigentlich nicht? Es sollte meiner Meinung nach in jeder Redaktion und Schulbibliothek zur Hand sein! Für mein „Wörtererörterbuch“ brauche ich deine Unterstützung.

So schreibst du mit am Wörtererörterbuch Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda

Zunächst ein Hinweis: Propaganda stellt für mich keine Wertung dar. Der Begriff beschreibt einen Zustand politischer Kommunikation. Vor allem im Wahlkampf und im Krieg tappen Politik, Medien und Öffentlichkeit immer wieder in die Propaganda-Falle. Davor schützen Demokratie und Zensurverbot keineswegs. Das Unwort des Jahres 2010 „alternativlos“ ist ein gutes Beispiel. Die Publizistin Cora Stephan brachte es im Deutschlandradio so auf den Punkt: „Alternativlos heißt: ich habe keine Wahl, ich kann also auch nichts tun und Widerstand ist zwecklos. Wäre man humorlos, würde man das totalitär nennen, denn eine solche Behauptung macht Wähler und Steuerbürger mundtot.“

Welche Propaganda-Begriffe fallen dir ein? Schreib mir deine Gedanken!

Das beste Mittel gegen Propaganda ist, das Schweigen der Mehrheit zu beenden und auf die Klugheit der einfachen Menschen zu vertrauen. In der Kommunikationstheorie heißt das „Konzept der Gegenöffentlichkeit“. Praktisch bedeutet es: Noch nie konnten über Soziale Medien Menschen ihre Meinung so unmittelbar austauschen wie heute. Deshalb, hilf mir bitte, dieses wichtige Buch zu schreiben!

Im Kommentarfeld zu diesem Eintrag auf meiner Webseite kannst du mir Begriffsvorschläge, interessante Links, Hinweise und Meinungen schicken. Gern auch per Email an mail@mathias-priebe.de. Bitte teile diesen Beitrag auch auf Facebook und Twitter und in anderen Netzwerken.

Beispiele für typische Propaganda-Begriffe

Als Anregung sind hier ein paar der ersten Wörter:

  • alternativlos
  • asymmetrischer Krieg
  • Einsatz
  • Augenzeugen
  • Kollateralschaden
  • Operation
  • Präzisionswaffen
  • robustes Mandat
  • Smart Bombs

Zu jedem wird es eine „Übersetzung“ und eine Erläuterung, ein kleines Essay geben. Warum ist der Begriff mit Vorsicht zu genießen? Welche besseren, klareren Ausdrucksweisen gibt es? In welchen Zusammenhängen taucht er auf? Welche Interessen bedient er?

Nun bist du dran! Ich freue mich auf deine Anregungen und bedanke mich für das Interesse an meiner Arbeit.

13 Kommentare auf “Wörtererörterbuch "Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda"

  1. Adel

    Der Adel ist in Deutschland abgeschafft. Was einmal ein Titel oder eine Funktion war, ist heute ein Name, nicht mehr. Es ist rechtlich gesehen völlig gleich, ob jemand Freifrau von Sowieso heißt oder Müller. Trotzdem wird das Wort Adel gebraucht, als würde es noch etwas real existierendes bezeichnen. Er schreibt Personen, die bestimmte Namen tragen eine Funktion zu, die sie tatsächlich nicht mehr besitzen. Er insinuiert Elite, wo tatsächlich nur noch ein Name ist. Der Gebrauch des Wortes Adel ist nur dann keine Propaganda, wenn er im Sinne der Geschichtsschreibung oder mit Verweis auf Länder, in denen es noch eine solche erbliche Funktionselite gibt, gebraucht wird. Ansonsten ist er durch „Staatsbürger“ /“Staatsbürgerin“ zu ersetzen.

    Baron – siehe Adel
    Freiherr – siehe Adel

    • Hallo Frau Strasser, na endlich ein Wort mit A 😉
      Ich stimme Ihnen gern zu, dass es in der jüngsten politischen Kommunikation tatsächlich einen Trend gegeben hat, ererbte Adelstitel mit Führungselite zu verwechseln. Allerdings wurde nicht der Adel abgeschafft sondern der Gleichheitsgrundsatz eingeführt. Vielen Dank für Ihren Vorschlag!

  2. Ich habe gerade den Kontakt über Heiners Guttenbergkolumne gefunden. Und in diesem Zusammenhang ist mir auch ein Propagandabegriff aufgefallen. Und zwar der Gebrauch des Wortes entschuldigen. In der KTvzG-Affaire tauchte immer wieder sinngemäß der Satz auf „ich habe mich (er hat sich) entschuldigt“. Diese Verwendung ist falsch. Man kann sich nicht entschuldigen. Entschuldigen kann nur der geschädigte. Richtig gebraucht heißt es also: Ich bitte um Entschuldigung. Dann möge man warten und auf die Antwort zum freisprechen von Schuld durch den geschädigten hoffen. Der oben benannte gebrauch sollte suggerieren, daß die Schuld durch das Zauberwort Entschuldigung getilgt sei.
    Mit bestem Gruß
    Winfried Haas

    • Lieber Winfried Haas,
      vielen Dank für diese interessante Anregung. Es stimmt, entschuldigen kann sich zu Guttenberg eigentlich nur bei seinem Doktorvater, den er ja so richtig verarscht hat. Bei den Wählern muss er sich gar nicht entschuldigen. Diese Atitüde hat wirklich das Zeug zum Propaganda-Mittel. Ich verspreche hiermit eine Fußnote! 😉

  3. Hallo Mathias,

    Hier ein paar Begriffe die mir spontan zum Begriff Propaganda in den Sinn kommen:

    – Brainwash/Hirnwäsche
    – Manipulation
    – Medienmissbrauch
    – Massenmedien
    – Mund-zu-Mund-Propaganda
    – Einschüchterung
    – Politik der Angst
    – Terror
    – Unterdrückung
    – Zensur
    – Zensursula – na ja…

    Hoffe das bringt dir was. Viel Erfolg bei deinem Projekt.

    Viele Grüsse,
    Aldo

    • A wie Angst, nicht nur ein Wort sondern ein schlimmes Motiv in der politischen Kommunikation, bis Z wie Zensur, die auch mit S wie Selbstzensur einhergeht. Vielen Dank für diese Anregungen!

  4. Hallo Herr Priebe,

    wenn ich das hier richtig verstanden habe, dann schlage ich mal diese beiden Unwörter im Zusammenhang mit der atomaren Katastrophe in Japan vor:

    „teilweise Kernschmelze“ = Verschleierung der katastrophalen Tatsachen
    „Sicherheitsphilosophie“ , geäußert von Birgit Homburger (FDP) beim ZDF Spezial vom 13. März 2011: hier handelte es sich meiner Meinung doch eher um „Sicherheitsphantasie“

    Beste Grüße

    Ihr Checkergirl

    • Ja, tatsächlich finden sich auch in der aktuellen Berichterstattung über Japan viele Beispiele für sprachliche Entgleisungen. „Sicherheit“ ist auch in anderen Zusammenhängen interessant und gehört ganz sicher ins Wörtererörterbuch. Vielen Dank für diese Anregungen.

    • Ja, tatsächlich unterliegt der Begriff selbst einer veränderten Wahrnehmung. Allerdings würde ich bei Öffentlichkeitsarbeit im heutigen Verständnis nicht immer von Propaganda sprechen. Abgrenzen möchte ich davon zum Beispiel den (ernst gemeinten) Dialog. Soll’s ja auch geben 😉

  5. Hallo Mathias,
    vielleicht kann ich hier noch mehr beitragen. Spontan fällt mir erstmal ein:
    NEULAND – Siehe: http://www.vox24pop.net/kolumne/neuland-unterm-usenet/
    – meine Assoziation zum Begriff: Wir wussten von Nichts
    FÜHRER / WAHRHEIT – siehe: http://www.vox24pop.net/kolumne/halb-voll-wahrheit/
    – meine Assoziation zum Begriff: man muss nicht nachdenken – Führer erledigen das.
    BIG DATA / CLOUD – siehe: http://www.vox24pop.net/analyse/big-data/
    – meine Assoziation zum Begriff: Alles aus einer (der) Hand … gegeben
    SPIONAGEAFFÄRE – siehe: http://www.vox24pop.net/timeline/
    – meine Assoziation zum Begriff: mal fremd gegangen – nicht so schlimm
    Gruß, Woling61

  6. Hallo Herr Priebe, bin zufällig auf Ihre Seite gestossen. Bin u.a. ausgebildete Mediatorin und Trainerin für gewaltfreie Kommunikation. Ein begrüßenswertes dringend notwendiges Projekt haben Sie sich vorgenommen ! Wie heißt es so richtig : Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst.

    Aktuell fällt mir dazu das Wort „Putinversteher “ ein. W

    Wenn ich tatsächlich eine Lösung der Konflikte wünsche, ist es doch eine Mindestvoraussetzung dafür, mit dem anderen überhaupt in Verbindung zu kommen. Das wiederum erfordert zwingend als erstes , den anderen in seinem Handeln zu verstehen. Nur dann entsteht Kontakt und macht Verhandeln überhaupt erst möglich. Zudem kann ich nur bei Verständnis des anderen und im Wissen, worum es ihm wirklich geht, ihn bewegen, meine Sichtweis eund Interessen zu verstehen, um dann gemeinsam Handlungsoptionen zu erarbeiten. Ich bewege mich also nicht im Raum des Rechthabens und Forderns , Drohens, denn letzeres erhöht die Eskalation.

    Das Verstehen nicht gleichzusetzen ist mit eigener Zustimmung, dürfte denen , die den Begriff kreiert haben sicher bewusst sein. Also nährt sich mein Verdacht und meine Befürchtung , dass man ernsthaft gar kein Lösung und kein Verhandeln will, sondern diesen Konflikt offenbar aus bestimmten Gründen benötigt. Deshalb soll mit diesem Kampfbegriff ganz bewusst jeder Ansatz zu einer konstruktiven Lösung von vornherein diffamiert werden.

    Die inzidente Gleichsetzung in diesem Wort von Putin mit Russland führt ebenfalls weg von der Würdigung der wirklichen Interessen , die Russland berücksichtigt haben möchte. Der Konflikt wird auf eine persönliche und psychlogische Ebene verlagert, die Dämoniserungs- und Abwertungsprozesse ermöglichen. Das erschwert dann wiederum in Kontakt zu tatsächlichem Verhandeln zu kommen. Gleichzeuitig erleichtert es das Schüren von Ängsten und amit Manipulation der Menschen.

    Das ist auf den Eskalationsstufen der Konfliktforschung (z.B. Friedrich Glasl) schon ziemlich weit vorn. Die letzte Stufe lautet übrigens : Gemeinsam in den Abgrund.

    Herzliche Grüße, Cornelia Giere

    • Liebe Cornelia – ich biete meinen Lesern gern ein sozial netzwerktaugliches, informelles Du an – Dein Kommentar bestätigt mich in dem dringenden Wunsch, dieses Projekt voranzutreiben. Ich habe dafür bereits sehr viel recherchiert, Material gesammelt… Bei diesem Thema habe ich oft Angst, das Buch könnte zu spät kommen. Den Verlag, der mir einen knallharten Abgabtermin setzt, habe ich noch nicht gefunden. 😉

      Ich teile die Beobachtung, dass der Konflikt bewusst geschürt wird. Ich werde das Wort „Putinversteher“ gern mit aufnehmen und deine Gedanken zitieren. Unsere Sprache ist da leider oft unpräzise. (Russisch ist witzigerweise oft viel genauer). Ich kann Putins Position nachvollziehen. Verständnis habe ich deswegen keins. Wer sich wie du von berufswegen mit Konflikten beschäftigt, weiß, dass Nachvollziehen wichtig und Verstehen nur manchmal möglich ist.

      Das mit dem Abgrund werden wir zu verhindern wissen, denn es ist ganz sicher kein Zufall, dass wir uns zu diesem Thema treffen und vernetzen!

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