Schluss mit dem Egotrip! Eine Mahnung zum Weltfriedenstag

Friedenstaube

Krieg, so schrieb jemand als Kommentar in diesem Blog, hat seine Ursache im Egoismus der Menschen. Darüber habe ich nachgedacht. Es stimmt. Krieg ist ein Egotrip. Aber was noch schlimmer ist: Der Egoismus der Menschen, die ihn verhindern wollen, schwächt die Friedensbewegung! Ich sehe viele Einzelaktionen, aber keinen gemeinsamen Nenner. Was Friedensforscher für all die Krisengebiete fordern, bekommen wir selbst nicht hin: Miteinander reden! Was uns fehlt, ist ein Dialog über Frieden!

Zum Weltfriedenstag am 1. September 2014 an der – wie ich das sehe – Schwelle zum Dritten Weltkrieg möchte ich eine Mahnung an diejenigen richten, die ich für Friedensaktivisten halte. Schluss mit den Egotrips! Kommt endlich auf Augenhöhe mit den Menschen!

Und weil es hier um Egoismus geht, richte ich die Mahnung zunächst an mich selbst! Aus Egoismus und dem Nachdenken darüber.

Mathias Priebe,

Mathias Priebes
Meine Facebookseite

dich hat die Kriegshetze der letzten Monate oft sprachlos gemacht. Du hast weniger geschrieben als dir durch den Kopf ging. Das ist nicht gut. Du hast nachts geträumt, wieder im Radio- oder Fernsehstudio zu stehen, aber sie haben dir das Mikrofon abgedreht. Herrgott nochmal! Dieser Albtraum ist lange vorbei. Du musst nicht Sprachrohr sein sondern das Ohr, das den anderen fehlt. Deine Stärke ist das Diskutieren. Bleib im Gespräch. Finde die Balance zwischen Aufmerksamkeit wiederfinden und den Dialog fördern. Im ersten Schritt brauchst du wieder mehr Zuhörer. Das ist so. Im zweiten, hör ihnen zu. Mach Sie reden!

Die anderen, an die ich meine Mahnung richten will, folgen in alphabetischer Reihenfolge, damit sich keiner der Egoisten beschwert, er stünde zu weit hinten in der Liste. Und, liebe Egozentriker oder besser Egolinken, seid mir nicht böse, wenn ich euch dutze. Das soll nicht respektlos sein – nur ein sprachlicher Trick zum Dialog auf Augenhöhe! Aber euer Egoismus macht euch blind und taub.

Jakob Augstein,

Jakob Augstein bei Facebook
Jakob Augstein bei Facebook

du hast eine publizistische Nische geerbt. Darum beneide ich dich. Aber mach dir nichts vor! „Der Freitag“ ist nicht „Die Zeit“. Auch das Gewohnheitsrecht auf eine Kolumne bei „Spiegel online“ ändert nichts daran: Im Zweifel bleibst du links liegen. Weißt du, warum ich die Zeit trotz Josef Joffe und Bernd Ulrich – meiner „Chefkriegstreiber“ – noch nicht abbestellt aber den Freitag nie abonniert habe? Ich finde darin eben deren andere Meinung und halte das für liberaler als im eigenen Saft zu schmoren. Ich lese deren ärgerliche – nicht minder selbstverliebten – Texte gerne und möchte fast jedes mal einen Leserbrief schreiben. Aber ich finde es wichtig, ihre Position verstehen zu versuchen. Auch sie haben gute Argumente. Ihr seid übrigens fast alle Medien 1.0 – Sender ohne Empfangsantenne! Obwohl das Internet in beide Richtungen funktioniert, nutzt es kaum ein Journalist zum Zuhören. Ich finde unter keinem einzigen Leserkommentar auf Spiegel online ein Dankeschön von dir, keine Bestätigung und keinen Widerspruch. Der Autor hat gesprochen. Nun schlagt euch doch selbst die Köpfe ein!

Gregor Gysi,

Gregor Gysi bei Facebook
Gregor Gysi bei Facebook

ich liebe deine Rhetorik! Du bist der letzte verbliebene Redner im Deutschen Bundestag. Wegen dir hat mir als jungem Reporter der letzte Sachsenkönig Kurt Biedenkopf das Mikrofon aus der Hand geschlagen. Ich hatte gewagt, deine und seine Parolen über nachhaltige Ökonomie zu vergleichen. Ich begann mein Interview: „Warum höre ich die selben Argumente von Gregor Gysi?“ Das war natürlich keine Eisbrecherfrage sondern Majestätsbeleidigung. Ihr beide seid nie in einen Dialog gekommen. Wegen ideologischer Borniertheit merkt keiner von euch Politikern wann ihr das gleiche sagt, in Büchern und Reden. Ihr kennt eure Schnittmengen nicht. Aber für den Dialog unter Spitzenegoisten bin ich nicht zuständig. Ich will nur erreichen, dass auch du lieber Gregor anfängst, die wahre Stärke der sozialen Netzwerke zu erkennen. Poste einfach weniger und nimm dir Zeit für die Antworten deiner Leser! Diskutiere mit ihnen! Setze dich mit ihren Argumenten auseinander! Lass uns erleben, dass es dir nicht um die Anzahl der Likes geht, sondern um den Dialog – für den Frieden!

Ken Jebsen,

Ken Jebsen bei Facebook
Ken Jebsen bei Facebook

du sprichst schneller als eine Kalaschnikow Patronen raushaut. Ich kenne das noch von Live-Schaltungen, die ich bei Antenne Brandenburg mit dir als Gastreporter von Fritz hatte. Gesprochen haben wir nie miteinander. Du brauchtest nur dein Stichwort und ab dann war die „Rauschende Priebshow“ „Ken FM“. Du hast dich in dem Punkt nicht weiter entwickelt. Hol doch mal Luft! Fang an zu denken, bevor du etwas sagst! Natürlich hast du einen eigenen Anteil daran, dass du beim RBB geflogen bist. Mir ging es doch nicht anders. Ich bin meinem Chefredakteur so lange auf der Nase herum getanzt, bis er es nicht mehr ausgehalten hat. Was ist so schlimm daran, das einzugestehen? Dein Egoismus ernährt sich von dem Mythos, du seist der letzte aufrichtige Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gewesen. Stell dich zum Test bei deinen Auftritten nicht nur symbolisch auf Augenhöhe, sondern gib das Mikrofon aus der Hand! Überlass es einem, der dich ausbuht und gib ihm die Chance auszureden. Dann antworte ihm und gib das Mikrofon wieder zurück. Versuch mal, deinem Gegenüber das letzte Wort zu lassen! Dialog braucht keine Redelsführer.

Jürgen Todenhöfer,

Jürgen Todenhöfer bei Facebook
Jürgen Todenhöfer bei Facebook

Ich bin mir gar nicht sicher, ob du in diese Reihe gehörst. Als Egoist schon, aber als Friedensaktivist – da habe ich meine Zweifel. Es ist nämlich so, dass Parteinahme in einem Konflikt schwierig ist. All die multireligiös und ethnisch gerechtfertigten Kriege leben von den Opfermythen beider Seiten. Im Krieg sterben Unschuldige. Dafür musst du uns nicht jeden Tag neue Schreckensbilder liefern. Das stumpft nur ab, trägt zur Gewöhnung bei. Die grausame Beliebigkeit ist es, die die Abnutzung bringt. Deine Fotos könnte das Pentagon morgen als Beweis für das Gegenteil zeigen. Wir würden den Unterschied nicht erkennen.

Trotzdem Danke, dass du versuchst in das Durcheinander von Suniten, Schiiten, Jesiden und Perseiden etwas Ordnung zu bringen. Ich bin mir sicher, kaum einer außer dir merkt, dass die Perseiden nicht in diese Aufzählung gehören. Was haben deine Bücher also gebracht? Tragen sie zur Aufklärung bei? Verstehen deine Fans wirklich, was du schreibst? Ist es überhaupt richtig? Woher soll ich das wissen? Ist es nicht so, dass jeder Verlagserfolg die nächste Recherchereise erst ermöglicht? Jürgen, so blöd das klingt: Du bist in die Wertschöpfungskette des Krieges eingebunden! Versuch doch mal Reiseberichte aus Friedensgebieten! Malediven, Sonnenuntergang, blaue Lagune. Ich weiß, das ist ungerecht dir gegenüber, aber ein Moment des Innehaltens wäre mal dran. Denn ich verfolge deine Facebook-Seite, kommentiere und teile mitunter gerne, was du zu berichten hast. Eine Antwort von dir bekomme ich nicht. Keine Zeit, wirst du sagen, denn du musst noch einen anderen Teil der Welt retten. Mach die Bücher um die Hälfte dünner! Es ist längst sowieso eine Wiederholungsgeschichte. Ich und andere kaufen dir buchstäblich ab, dass du bescheid weißt. Aber fang bitte nicht an, ins gleiche Horn zu stoßen und den Einsatz von Gewalt zu fordern. Nicht mal gegen den „Islamischen Staat“. Denn du übersiehst, dass auch dort Menschen für etwas stehen, das sie für richtig halten – auch wenn es falsch ist. Es gibt klügere Wege damit umzugehen, als den Stoff für einen neuen Bestseller zu liefern. Wir müssen den Dialog beginnen, damit er auf andere ausstrahlen kann.

Cem Özdemir,

Cem Özdemir bei Facebook
Cem Özdemir bei Facebook

willst du überhaupt Friedensaktivist genannt werden, oder ist das eine Beleidigung für dich? Dich habe ich mal für einen Grund gehalten, die Grünen zu wählen. Ich konnte mich gerade noch zurück halten.  Einige um dich herum waren mir zu fett geworden. Der Joschka Fischer hat als Außenminister unser Land rechtzeitig zur Wahl in eben jenen Krieg gestürzt, der den Spalt im Tor zur Hölle geöffnet hat: den Kosovokrieg. Seitdem geht dieses Tor immer weiter auf und deine Fraktion hält die Sonnenblume hoch und schreit Hurra! Nimm endlich die Yogamatte unter den Arm und denk darüber nach, was du anrichtest! Frieden ist kein Ausdruck von Schwäche! Sich zu weigern, in unübersichtlichen Situationen Öl ins Feuer zu gießen, ist eben keine unterlassene Hilfeleistung. Ich rede vom Nordirak und den Waffenlieferungen an Zivilisten. Ein Feuerwehrmann käme nicht auf die Idee, Benzinlieferungen zu fordern, während Menschen in einem brennenden Haus um Hilfe schreien. Er würde ein Löschmittel wählen. Cem, lass die selbstgefällige Attitüde des Realpolitikers! Sei doch ein Kämpfer und zeig, ob du noch gegen den Strom schwimmen kannst! Dein Versuch, die Grünen durch Opportunismus wählbar zu halten ist durchsichtig, egoistisch und dumm! Du musst dich entscheiden! Yogamatte oder Schützengraben! Das Artilleriefeuer kommt näher. Und sprich mit den Linken! Die sind zwar weiter weg von einer Regierungskoalition als die, denen du dich gerade anbiederst – aber es gab mal eine zuverlässige Mehrheit für den Frieden. Die sehe ich nicht mehr. Finde einen Weg, Menschen wie mich mitzunehmen! Mach doch mal etwas aus Prinzip und nicht aus Kalkül! Ich weiß, das ist schwer im Egozentrum der Politik.

Konstantin Wecker,

Konstantin Wecker bei Facebook
Konstantin Wecker bei Facebook

du bist Facebook-müde geworden. Leg mal ’ne Schippe – ich will nicht sagen Koks – nach und mach weiter! Aber anders als bisher. Du erklärst genau heute, wenige Tage vor dem Weltfriedenstag, deinen Fans den digitalen Rückzug. Du fühlst dich schwach und schiebst das auf dein Alter. Du schreibst es sogar selbst, woran es liegt:

Wo ich im Wort nicht weiterkann:
gedrängte Stunden. Nächtelang
nur Innenwelt. Und dann?“

Hey! Nimm dir ein Beispiel am Altkanzler Helmut Schmidt, der ist mit 80 auf Friedenstournee gegangen und hat den Dialog mit gewählten und nicht gewählten Diktatoren in aller Welt gesucht um eben den drohenden Weltbrand zu verhindern. Wahrscheinlich muss man irgendetwas rauchen, um die Kraft nicht zu verlieren. Nimm dir ein Beispiel an ihm! Menthol tut’s offenbar auch. Es ist bei dir wie bei den anderen, es gibt keinen erkennbaren Dialog. Wenn ich in deine Konzerte komme, dann will ich dich auf der Bühne sehen. Dann will ich zu dir aufblicken – aber doch nicht bei Facebook! Komm runter zu uns und diskutiere mit! Schreib hundertfünfzig Zeilen weniger pro Post und die Nummer wird halb so anstrengend. Sei schlagfertig zu den Trollen und nicht verärgert! Du hältst das aus.

So, nun bin ich gespannt, wer hier alles kommentiert. Ich freue mich auf Widerspruch mehr als auf Lob. Aber bleibt bitte fair, ich bin auch nur ein einzelner Mensch und von daher selbstverständlich Egoist. Noch einmal: Ich will klarstellen, dass die Zeit der Anführer vorbei ist und die Chance für eine friedliche Welt darin besteht, den eigenen Egoismus in Frage zu stellen. Die Friedliebenden dürfen damit anfangen.

6 Kommentare auf “Schluss mit dem Egotrip! Eine Mahnung zum Weltfriedenstag

  1. Mathias Priebe – ich rede nicht gern in Klischees und bin schon immer hart im Nehmen – trotzdem, Deine Worte haben mich gewaltig bewegt. Ich kenne auch solche grausamen schlaflosen Nächte, in denen mein Gehirn gemartert wird. Gemartet von Gedanken über das Thema Demokratie und Frieden. Gemartet vom Suchen nach Wegen aus dem europäischen und globalen Dilemma von verblendeten Massen, die machtlos der extremistischen medialen, religiösen, politischen und staatlich organisierten Gewalt unterliegen. Gemartet von der realen Gefahr eines neuen globalen Flächenbrandes, der – leider kann ich es ganz real nicht anders werten – wieder mal auch von deutschen Politikern kriegstreiberisch mit organisiert wird. Zeit wird es für Deine/solche Gedanken. Ich war trotzdem erstaunt, über diese/Deine neuen Gedanken in einer auch sich mir stellenden Grundfrage: Was nützt unser, Dein, anderer oder auch mein persönliches Engagement? Stell Dir vor: Was ist es wert? Es ändert sich doch nichts!

    Mathias Priebe – Deine Gedanken bedeuten einen Schlüssel – für ein Tor in Richtung einer neuen Welt mit neuer Vorgehensweise – um vielleicht überhaupt noch in der Lage zu sein, das Unheilvolle, das Maßlose, eine verheerende globale Destruktion zu verhindern. „Den eigenen Egoismus in Frage stellen“ – ich glaube, Dich zu verstehen. Für mich steckt da aber auch noch mehr dahinter. Egoismus oder die Steigerungsform, die maßlose Egozentrik – ein Überbleibsel tierischer Instinkte, im Überlebenskampf die Oberhand zu gewinnen und zu behalten – basiert auf dem unheilvollen Machtstreben des Menschen. Auch ich hatte mal solche Macht in den Händen – heute lehne ich das auch bei mir selbst in jeder Form ab. Menschen wollen sich entwickeln – persönlich, gesellschaftlich, technologisch, etc.. Sie verbinden dieses Streben aber leider all zu oft – aufgrund dieser tierischen Instinkte – mit den eigenen, persönlichen Interessen und nicht den Interessen der Gemeinschaft. Leider sind wir da noch nicht oder nicht weit dem Tierreich entstiegen. Es liegt also in der Natur der Sache, dass Menschen, die in irgendeiner Partei, Religion oder sonstigen Bewegung sich eine gewisse Stellung erarbeitet, erkämpft oder erschlichen haben, diese Stellung im Interesse ihrer Macht ausbauen und zunehmend mißbrauchen werden.

    Der Machtinhaber (egal auf welcher Stufe) hat einen Horror vor der Abwesenheit dieser/seiner Macht, wie der Aktionär vor der Profitlosigkeit. Das Ganze gestaltet sich dynamisch. In einer Anlehnung an ein Zitat von P.J. Dunning (1860), das Karl Marx in einer Fußnote im „Kapital“ zur Charakterisierung des Profits bekannt machte, möchte ich das veranschaulichen. Mit einem entsprechenden Mehr an Macht wird der Mächtinhaber kühn. Zehn Prozent mehr Macht und er wird die Macht überall anwenden; 20 Prozent mehr Macht und er wird noch lebhafter; 50 Prozent mehr Macht und er wird waghalsig; für 100 Prozent mehr an Macht stampft der Mächtige alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß – er vergisst seine grundsätzliche Rolle gegenüber seiner Basis oder dem Souverän; 300 Prozent mehr an Macht und es existiert kein Verbrechen, das der Mächtige nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des eigenen Untergangs.

    Und – ich betone: Wir sprechen über ein Gesetz – ich meine ein Naturgesetz. Eine gegebene Qualität wird immer bestrebt sein, durch wachsende Quantität irgendwann sprunghaft eine neue Qualität herbeizuführen. Es gilt ausnahmslos für Jeden dieser Personen in den Führungsriegen – egal, ob sie Hanf auf ihrem Balkon anbauen oder nicht – egal, ob sie im Legislative, Exekutive oder Judikative sitzen – egal, in welche Schichten oder Ebenen sie sich bewegen. Niemand kann sich da ausnehmen. Wer dem versucht zu entfliehen, wird der Macht seines Nächsten unterliegen.

    Was meine ich damit: Das Grundübel aller gesellschaftlichen Vergehen ist das Maß oder auch Übermaß an Macht. Letztlich zeigt sich hier die vernichtende Schwäche und Unvollkommenheit der real existierenden Demokratie. Letztlich mündet dass Ganze in einem Staatsextremismus gegenüber dem eigenen Volk. Was wäre zu tun gegen Totalitarismus und damit verbundene Kriegsgefahren? Ich sehe als „Gegenmacht“ eigentlich nur Deinen o. g. Schlüssel, egoistisches Handeln und Auswüchse abzulegen. Das passiert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber nicht freiwillig. Bei Allem, Allen und Jedem, das oder der in Verantwortung steht, egal wie sie heißen, ob Gregor, Bundestag oder …, gilt es, Egoismus und Macht von unten, von der Basis heraus letztlich zu entflechten, zu dezentralisieren, zu pluralisieren und mehr denn je auf viele Schultern zu verteilen. Ich erinnere an hierzulande und in Europa zwingend notwendige neue Instrumente der Basisdemokratie. Diese neue notwendige Basisdemokratie bzw. Demokratieform beschreibe ich mit dem Begriff VoxPopuli. Wir können sie nur in einer aufstrebenden Neuen Moderne schaffen. Dazu müssen wir viele Leuchttürme in einer unwirtlichen Landschaft schaffen – ein Meer an Leuchttürmen, an dem sich alle Menschen orientieren – ein Meer an Leuchttürmen, das die heutige entfremdende, manipulative mediale Landschaft endlich überragt.

    Mathias Priebe – vielleicht irre ich mich, aber ich persönlich mache bei Dir etwas Ratlosigkeit aus, die ich bei mir auch immer wieder entdecke und dagegen versuche anzukämpfen. Ich will Dir sagen. Mach‘ trotzdem weiter mit Deinen Gedanken und Deiner Menschlichkeit. Wachse weiter an dem Erfahrenen. Organisiere viele dezentrale Leuchttürme. Beobachte jede Niederlage – auch die eigene. Niederlagen haben einen hohen Wert – wenn wir daraus lernen. Sei weiter neugierig auf Anderes und Andere – auch anderen Sichten und Andersdenkende. Die Neugierde ist unser Wegweiser im Dschungel des Unwissens. Die Gesellschaft brennt und Niemand will den Feuerlöscher aufnehmen. Tun wir es!

    Ich persönlich hoffe, dass der nächste Weltfriedenstag nicht der letzte ist, an dem sich die Massen erfreuen dürfen. Hoffentlich ist es einer der ersten, an dem wir viel mehr Menschen in einer freidlichen Welt erreichen – erreichen durch eine neue Kultur des Egoismus-Ablegens, eine neue Kultur des Teilens, eine neue Kultur des effizienten Aufklärens, eine neue Kultur dezentraler Strukturen und Ressourcen, eine neue Kultur des Vernetztseins unbeeinflusst von der praktizierten Massenüberwachung. Nur – wir dürfen das Problem nicht nur auf den Egoismus der Menschen beschränken. Die Macht ist nicht mit, sondern über uns – neue Instrumente müssen her zur Beschränkung dieser Macht.

    Wolle Ing – ein Mitstreiter

    • Wolle, ich fühle mich von dir verstanden. Ich war mir ehrlich nicht sicher, ob es mir gelingt. Übrigens, spüren die Mächtigen so sehr wie noch nie den Gegenwind, weil er ihnen unmittelbar in Echtzeit entgegentwittert…

  2. Ja, es war dein Kommentar, der diesen Denkanstoß gegeben hat. Danke auch für diesen! Ich denke, du musst nicht EZB-Rat werden, um das System über den Rand zu bringen. Das macht es auch von selbst. 😉 Darf ich dich übrigens nach deinem Alter fragen? Heißt Realschüler, dass du noch zur Schule gehst?

  3. ja – da sind wir bei einem verheerendem Kapitel. Die Frage, die sich mir stellt: Was erreicht man mit einem Buch? Beispiel: Ich lese seit 3 Jahren religiöse Werke – um ein Verständnis dafür zu gewinnen. U. a. habe ich den Koran von der ersten bis zur letzten Zeile studiert und skizziert – ein schwieriges Unterfangen für alle 114 Suren mit 6236 Versen. Wenn es nach diesem Buch ginge, sollte ich heute konvertiert sein – nur, ich bin immer noch ein atheistischer Ungläubiger – denn ich glaube in erster Linie an menschliche Visionen und Taten bzw. den real existierenden und handelnden Menschen, der sein Leben nach humanen, ethisch-moralischen Werten gestaltet ODER auch nicht. Trotzdem, dieses Buch hat mir etwas gegeben – mehr Verständnis für Andersgläubige und Achtung ihnen gegenüber! – aber auch die Sicht, dass Worte wie Gummi sind – Worte sind wie Paragraphen, die dehnbar sind, die auslegbar sind in jede genehme Richtung. Urteile von Richtern gleichen mitunter einem Egotrip des Mächtigen – man hat gesprochen und unabänderlich über einem Menschen den Stab gebrochen – nach der ganz eigenen Sicht des Inhabers der judikativen Gewalt. Worte sind aber auch nur kommunikative Ausdruckselemente – und Du weist – Kommunikation ist nicht das, was gesagt wird, sondern das, was angekommen ist – was der Empfänger reflektiert. Aber auch die Empfänger haben ihren Egotrip – je nach persönlicher Blockade oder Offenheit empfangen sie das, was sie hören wollen. Worte verbinden sich letztlich mit unseren Taten ODER auch nicht – das macht ihren Wert aus.

    • Das ist ja interessant, welcher Dialog sich hier entwickelt hat 😉 Es macht mir Spaß mitzulesen und ich will das gar nicht weiter kommentieren. Habt einen schönen Sonntag Abend!

2 Pings/Trackbacks für "Schluss mit dem Egotrip! Eine Mahnung zum Weltfriedenstag"

  1. […] Priebe – Autor, Journalist, Publizist, Berater – schreibt in seinem Blog → “Die Priebschow”, die Zeit für Anführer sei vorbei. Es müsse Schluss sein mit dem Egotrip! Er bringt eine […]

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